Warum Affirmationen nicht wirken – und Worte dennoch wie Medizin sein können

Ein Schlüssel, als Text: Worte als Schlüssel für neues inneres Erleben

„Ich bin selbstbewusst.“
„Ich bin liebenswert.“
„Ich bin gut genug.“

Vielleicht hast du solche Affirmationen schon einmal ausprobiert.

Und vielleicht hattest du den Eindruck, dass sie gar nichts bringen. Du hast nichts dabei gefühlt, oder hattest sogar einen inneren Widerstand.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mal einen Impulsvortrag auf einer Netzwerkveranstaltung gehalten habe und gesagt habe: „Affirmationen bringen einfach nichts.“

Heute muss ich sagen: Ich habe mich teilweise geirrt, denn dass Affirmationen nichts bringen, ist nicht die ganze Wahrheit. Solche Sätze können, wenn sie gut formuliert sind, ein ganzes Himmelreich in dir aufschließen.

Bestimmt kennst du das Zitat von Joseph von Eichendorff: „Und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort.“

Gut gemachte Affirmationen – oder Kraftsätze, wie ich sie viel lieber nenne – sind wie Schlüssel, die einen Nervensystemzustand in dir „aufschließen“ können.

In diesem Artikel zeige ich dir, warum Affirmationen oft nicht wirken und wie du stattdessen Kraftsätze entwickelst, die dein Nervensystem zum Singen, Klingen und Swingen bringen. 😀

Warum Affirmationen oft nicht wirken

Nimm gerne mal einen der oben genannten Sätze: „Ich bin selbstbewusst“ oder „ich bin gut genug“ und spüre in dich hinein. Merkst du, dass er dir guttut? Oder ist da eher Ungläubigkeit oder einfach gar keine innere Reaktion da?

Wenn er dir guttut, dann nutze ihn unbedingt! Wenn du nichts oder eher Widerstand spürst, dann passt der Satz in der Form im Augenblick nicht zu dir.

Gründe dafür können sein:

  • Oft ist es so, dass einzelne oder mehrere innere Anteile nicht einverstanden sind mit einer Affirmation. Dann kann sie auch keine Wirkung entfalten.
  • Wenn dein Nervensystem diesen Zustand von „ich bin selbstbewusst“ oder „ich bin gut genug“ gar nicht kennt, dann kann der Satz nirgendwo in deinem Inneren andocken. Er schwirrt dann vielleicht kurze Zeit in dir herum, bevor er wieder verpufft, wie ein Samen, der auf trockene Erde fällt und nicht gegossen wird.
  • Und: Der Satz verrät nicht, wie es sich überhaupt anfühlt, wenn man selbstbewusst ist, wie das aussieht und woran man es erkennen kann.

Was eine gute Affirmation ausmacht

Mittlerweile nutze ich viel lieber den Begriff „Kraftsatz“ anstatt „Affirmation“. Ich finde, „Affirmation“ ist sehr überstrapaziert und abgegriffen und hat für mich eher eine negative Konnotation – nach dem Motto: Du musst nur positiv denken, dann kannst du alles schaffen! Solche Aussagen grenzen für mich an toxische Positivität und können Menschen sehr unter Druck setzen.

Das Wort „Kraftsatz“ hingegen ist total klar und einfach: Ein Satz, der Kraft gibt.

Ein Kraftsatz ist ein Satz,

  • der dir sofort ein inneres Bild gibt.
  • auf den dein Körper mit einem positiven Gefühl reagiert.
  • der eine Verbindung zu dir hat.

Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, dann passiert die Magie: Der Satz beschreibt nicht nur einen Zustand, sondern er erzeugt ihn in dir. Dann hast du das Zauberwort getroffen, was dich und die Welt um dich herum zum Singen bringt.

Warum Kraftsätze vorbereitet sein müssen

Hier liegt vielleicht der größte Unterschied zu Affirmationen: Affirmationen gibt es wie Sand am Meer. Es gibt ganze Bücher, Meditationen und Podcasts mit Affirmationen. Kraftsätze sind individuell und müssen erarbeitet werden.

In meiner Arbeit bedeutet das konkret: Wir schauen uns dein Thema an. Wir würdigen das, was da ist und welches Leid womöglich mit dem Thema verbunden ist. Dann schauen wir gemeinsam, wie es sich anfühlen kann, wenn ein neuer Bezug zu dem Thema da ist. Wenn zum Beispiel verletzte innere Anteile versorgt sind oder wenn man lernt, liebevoller auf sich zu schauen.

Dann entsteht Raum im Nervensystem für etwas Neues und die Arbeit am Kraftsatz kann beginnen.

An den Kraftsätzen selbst feilen wir, bis sie sich stimmig anfühlen. Sie dürfen roh wirken, vielleicht enthalten sie sogar einen Kraftausdruck. Wie findest du zum Beispiel den hier? „Und jetzt beginne ich, für mich und meine Bedürfnisse einzustehen, verdammte Axt!“

Aus dem Forschungsbereich der Malediktologie (das ist die Forschung über Kraftausdrücke) ist bekannt, dass Kraftausdrücke (sie müssen nicht ordinär sein, manchmal reicht auch einfach ein „Hell, Yesss!“) tatsächlich Kraft verleihen. In einem Experiment hielten Menschen ihre Hand in eiskaltes Wasser. Diejenigen, die dabei laut fluchen durften, hielten die Kälte und den Schmerz viel länger aus. Hier ist der Link zur Studie: Klick.

Humor schafft Regulation: Beispiele für wirksame Affirmationen aka Kraftsätze

Statt zu sagen, „ich bin selbstbewusst“ könnte ein Kraftsatz lauten:

„Auch wenn ich olympisches Gold holen könnte, weil ich derart begabt bin, mir Selbstvorwürfe zu machen, teste ich jetzt mal den Gedanken, dass ich vielleicht doch liebenswert bin.“

Du siehst, der Satz ist höchst individuell, er enthält eine humorvolle Übertreibung und schafft somit Distanz zum eigenen Erleben des Selbstvorwürfemachens. Außerdem ist er sehr kleinschrittig. „Ich teste mal den Gedanken“ heißt nicht, dass ich das sofort können muss.

Der humorvolle Teil aktiviert gleichzeitig unseren ventralen Vagus – also den Teil des parasympathischen Nervensystems, der uns in Entspannung versetzt und der für das Freudige und Verspielte steht.

Wie gesagt, so einen Satz zu kreieren, benötigt Vorarbeit. Es kann sehr sinnvoll sein, erstmal die Trauer zu spüren, weil man sich selbst vielleicht ständig Vorwürfe macht. Und es ist auch logisch, dass nicht jedes Thema Humor verträgt.

Mit Worten deinen Alltag romantisieren

Auch im Alltag können gut gewählte Worte dir Kraft geben.

Wenn ich eine lange To-do-Liste habe und nicht weiß, wo ich anfangen soll, frage ich mich gerne, womit ich meinem Zukunfts-Ich die größte Freude machen würde.

Wenn es mir schwerfällt, mich zum Meditieren aufzuraffen, helfen mir die Worte „Ich geh mal lauschen, was das Universum mir heute erzählen möchte.“

Und Putzen und Aufräumen gehören bei mir nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen, aber wenn ich mich frage „Wie kann ich heute die Schwingung in meiner Wohnung erhöhen?“, fällt mir das viel leichter.

Die richtigen Worte können etwas in uns verändern

Wenn Affirmationen bei dir bisher nicht gewirkt haben, liegt das wahrscheinlich daran, dass die Sätze nicht gepasst haben.

Ein guter Kraftsatz ist kein schöner Spruch, den man sich als Wandtattoo übers Sofa malt. Er ist ein Zugang zu einem Zustand, den dein Nervensystem wirklich fühlen kann.

Er zaubert dir ein Lächeln auf die Lippen, gibt dir Energie und schenkt dir Motivation, loszugehen.

Ute Drechsler

Hey, ich bin Ute!
Ich begleite Introvertierte und Hochsensible sowie Menschen mit frühem Trauma dabei, sich selbst besser zu verstehen, ihre Grenzen zu setzen und ihr Leben mit mehr Leichtigkeit zu gestalten. 

Wenn du merkst, dass du dir Begleitung und Unterstützung beim Formulieren deiner Kraftsätze wünschst, schreib mir einfach an hallo@utedrechsler.de für ein kostenfreies und unverbindliches Kennenlerngespräch.

Zu meiner Anleitung für ein reguliertes Nervensystem und zu meinem Newsletter geht es hier entlang: Newsletter und Anleitung für ein reguliertes Nervensystem

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